Konstant I-III

Gruppenausstellungen
Konstant I: 06.01.17 - 30.03.17
Konstant II: 01.04. - 30.06.17
Konstant III: 01.07. - 30.09.2017

2017 wird in den Ausstellungen Konstant I -III Malerei, Grafik, Skulptur und Druckgrafik zeitgenössischer Künstler der Galerie und Gastkünstler im Kontext gezeigt.








 

Beteiligte Künstler

Julia Antonia
Im Kunstschaffen der Berliner Künstlerin und Performerin Julia Antonia ist Verwandlung der Sinneseindrücke zu einem fremden Sein ein zentrales Thema. Sie nutzt dafür in ihrem Werk die Ausdrucksformen der bildenden Kunst und der Performance. Impuls ist ihr – wie bei jeder künstlerischen Auseinandersetzung – der aus der Kindheit herübergeretteter Spieltrieb. „Kunst ist ein Spiel“, sagt Julia Antonia, „ein ernsthaftes Kind-Spiel“. Ernsthaft auch deshalb, weil es eine bewusste Entscheidung ist, alles scheinbar zu Sehende zu entmachten. In der Werkgruppe der Blindportrais schaltet sie mit ihrem Verzicht auf das Sehen die fortwährende Interpretation des Sichtbaren aus. Blind nimmt sie sich das trügerische Wissen um ein Ergebnis. Dadurch entsteht ein Freiraum, der ihren Arbeiten erlaubt, sich zu entfernen oder weiterzuwachsen. „Malen, zeichnen, musizieren …“, so die Künstlerin, „sind eigene Formen des Denkens. Sie sind das Denken selbst.“

Wolfgang Buchta
Der Wiener Künstler Wolfgang Buchta ist bekannt für seine exquisiten Künstlerbücher, die in kleiner Auflage erscheinen: "Unwegsame Gebiete" nach der Erzählung "Die Landkarte der Liebe" von Dylan Thomas, 7 Exemplare; "Beyond the wall of sleep" nach einer Erzählung von H.P. Lovecraft, 2005-2007, 30 Exemplare. Wolfgang Buchtas bevorzugte Techniken sind Tiefdruckverfahren wie Kaltnadelradierung und Aquatinta. Bei diesen Radiertechniken kann durch Glätten der Linien und Grade, Abdecken bestimmter Flächen mit Säure abweisenden Stoffen u. ä. über einen mehrstufigen Ätzvorgang Flächenwirkung erzielt werden. 1990 erschien sein erstes Künstlerbuch "Beschreibung eines Kampfes" von Franz Kafka. Die Blätter O.T. leben von einem verwirrenden Liniengeflecht, aus denen die Kreatur, Mensch, Tier, Wesen sich herausbewegt und hineinverstrickt. Eine Colorierung mittels Aquarellfarbe macht die Blätter dabei zu Unikaten. Seine aktuellen Album-Blättern 2009 – 2012 gehen ein in ein neues Künstlerbuch.

Thorsten Freye

Thomas Kolding

Der dänische Künstler Thomas Kolding stellt in seinen Arbeiten den Menschen als Tänzer auf eine abstrakte Lebensbühne. Es sind geschichtete Farblandschaften: Unter- und Übermalungen, Farbe, die vertikal und horizontal gezogen oder als Tropfen gelaufen ist, Farbritzungen als Struktur und als Schriftzug. Die Farbräume, dominiert durch die Farben weiß, rot und schwarz, wirken diffus und unwirtlich. In diesen weiten Farbräume setzt Thomas Kolding differenziert perspektivisch durchgearbeitete, wohl trainierte Körper. Er zeigt sie in extremen Bewegungsmomenten, die jenseits der Attitüde persönlicher oder choreographierter Haltungen liegen. Durch ihrer unmittelbaren Präsenz verdichtet sich in ihnen die Kernfrage, die die gesamten aktuellen Arbeiten von Thomas Kolding durchzieht: die Bedeutungsperspektive des menschliche Lebens jenseits der Lebenswirklichkeiten und Beziehungen, in denen wir uns gleich einem Nest eingerichtet haben. Er zeigt Menschen zwischen Aufbruch und Fall, schutzlos in einem nicht definierten Raum – ein fiktives oder diffuses Schattenspiel oder doch ein Ausschnitt sich zyklisch wiederholender Zeit?

Hans Scheib
Hans Scheib arbeitet kontinuierlich in zwei sehr unterschiedlichen Medien: der Druckgrafik und der Plastik. Er ist einer der bedeutenden figürlich arbeitenden Holzbildhauer Deutschlands. In seinen expressiven farbig gefassten Holzskulpturen setzt er sich mit den Untiefen des Gesellschaftswesens Mensch auseinander. Hier wie in seinem zweiten wichtigen Schaffensfeld, dem grafischen Werk, zeigt er mit seinen eindringlichen Gestalten ein mitunter düsteres Menschenbild. Als Technik wählt er die Kaltnadelradierung. Seine Tierbilder, durchzogen von manchen zart menschelnden Zügen, umfassen zum Teil skurrile Themen – ausgearbeitet in einer durch grafische Verdichtung akzentuierten, skizzenhaft leichten Linienführung.

Jolanta Szalanska


Reinhard Stangl
Stadt- und Kneipenlandschaften Berlins sowie Interieurbilder, Dschungelbilder Südamerikas und Menschenbilder beschäftigen den Berliner Maler Reinhard Stangl. In seinen Arbeiten taucht Reinhard Stangl gleichermaßen in den Kosmos nächtlicher Großstädte und des Urwaldes ein. Jede dieser Welten entwickelt ihren eigenen Sog. Im Urwald ist es die wilde und farbdichte Natur, die den Menschen klein erscheinen lässt. Dabei fokussiert Reinhard Stangl nicht auf die Übermacht der Natur, sondern auf ihre Größe, die Schönheit der ihr innewohnenden Weite. Sein Blick auf die Undurchdringbarkeit des Urwaldes und die Unverbindlichkeit des nächtlichen Großstadtdschungels eint die Nuance einer nach sehnsuchtsvollen Suche nach Geborgenheit.

Wolfgang Tiemann
Geschichte, Mythen, Landschaften und der Mensch, das sind die Themen der expressiven Bildwelten Wolfgang Tiemanns, einem international arbeitenden Künstler, der mit seinen Werkzyklen die Welt und Zeiten durchquert. In seinem Projekt „PaperRoads“ ist er dem Weg des Papiers von China nach Europa gefolgt - ein historisches Beispiel des Kulturtransfers als künstlerischer Gegenentwurf auf ein auf die westliche Welt zentriertes Weltbild. In den Zyklen Landscapes und Witterung folgte archaische Landschaftsmalerei, sein aktueller Zyklus Abgründe zeigt großformatige Schwarzweißarbeiten, Grundlage für die Edition 2012. Daneben bespielt Tiemann brilliant seine künstlerischen Themen in der 3. Dimension (Skulptur, Bronze).

Zoppe Voskuhl
Tanzend, liebend, mordend, mal laut mal leise ziehen seltsame Figuren durch die Bildwelten Zoppe Voskuhls. Es wird ein Spiel von Erzählungen, von Zeichen und autonomen Symbolen, von Sinnlichkeiten, Erregungen und Ordnungen, von Farben und Oberflächen vorgeführt. Detailreiche großformatige Erzählteppiche stehen neben Arbeiten, in denen das Dargestellte auf signehafte Klarheit reduziert ist. Im Zentrum der Bilder Zoppe Voskuhls steht auf der einen Seite die Auseinandersetzung mit der Frage, was der Mensch ist, und auf der anderen Seite die Reflexion des Mediums Malerei.

Carsten Witte
Der Hamburger Fotograf Carsten Witte inszeniert in seinen Fotografien die Schönheit der Frau. Zahlreiche nationale und internationale Mode- und Lifestylemagazine beauftragten Witte aufgrund seiner hintergründigen und reduzierten Formensprache seiner Bilder. „Es sind immer die Gesichter die mich faszinieren und diese rätselhafte Reinheit wirklich schöner Menschen“ sagte er. In seiner Werkgruppe „Beauty Collector“ kombiniert Witte makellose Frauen mit seidig schillernden Schmetterlingsflügeln: ein Moment höchster Schönheit, der den Wunsch weckt, diesen Moment für die Ewigkeit festzuhalten – ein Wunsch, den Witte umsetzt in einer Schmetterlingssammlung. „Die Schmetterlinge, die auf dem Höhepunkt ihrer Schönheit getötet werden, mit der Nadel durchbohrt, und die Modelle, die solange tot fotografiert werden, bis ihre Schönheit verblasst und nur noch das Foto beweist, dass sie einmal vorhanden war.“ Es ist ein Augenblick zwischen Zenit und Verfall, der fasziniert und berührt.

 

 

 


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